Schottland blieb, zumindest für mich, lange Zeit außerhalb meiner Wahrnehmung. Anfang 2023 kam ich auf die Idee, dort auf der Halbinsel Knoydart an der Westküste wandern zu gehen. Diese Gegend gilt als letzte Wildnis Schottlands (daher auch die gerne verwendete Gebietsbezeichnung “the rough bounds”) und besticht durch sehr unterschiedliche Landschaften und eine großartige Fauna (Rotwild, Schafe und viele mehr).
Die hier vorgestellte Tour ist 118 Kilometer lang mit knapp 5000 Höhenmetern und ist landschaftlich sehr abwechslungsreich – es geht über die Highlands, an großen fjordähnlichen Seen vorbei und durch vermooste Waldstücke. Ich brauchte für die Route fünfeinhalb Tage.
Tourbericht
Tag 1 – Start (7 km)
Ich fahre an dem Morgen von Edinburgh mit dem Zug nach Inverness und von dort nach Kyle of Lochalsh – der letzte Ort auf dem Festland, bevor man zur Isle of Skye gelangt. Ich fahre aber nicht auf die sehr schöne Insel, sondern nehme den Bus nach Ault-na Chruinn 10 Kilometer im Landesinneren. Von hier aus startet meine Tour. Als ich gegen 18.30 Uhr aus dem Bus steige, strahlt die Sonne mit mir um die Wette. Das erste Mal bin ich auf britischem Boden und das Wetter ist wunderschön – ganz und gar nicht regnerisch, wie ich erwartet hatte. Ich laufe zur Shiel Bridge und steige von dort auf in ein leicht erhöhtes Tal. Nach einem kurzen Wegstück wandere ich am Berghang in Richtung Westen steil aufwärts. Immer mal wieder höre ich von oberhalb ein leises, röhriges Bellen. Ich überlege, ob das Hirsche sein könnten, verwerfe aber den Gedanken. Auf dem Bergrücken angekommen, schlage ich mein Zelt neben einem kleinen Bergsee auf einem Hügel auf (ich hoffe, dass ich dadurch Abstand von den Mücken bekomme, die kurz über der Wasseroberfläche tanzen).
Nach einer kleinen Mahlzeit schnappe ich mir meine Kamera und meine Drohne und steige den Berg weiter auf. Auch jetzt höre ich zwischendurch das mysteriöse Bellen. Des Rätsels Lösung zeigt sich mir bald: Es leben tatsächlich Rotwildrudel auf den Bergen, und ich scheuche sogar ein paar Hirschkühe auf. Die halten danach ein paar hundert Meter Sicherheitsabstand, beobachten mich aber dabei aufmerksam. Als ich auf dem Gipfel stehe, zeigt sich mir eine wunderschöne Szenerie: Ein Sonnenuntergang, der in der weit entfernt liegenden Meerbucht reflektiert wird. Ich bleibe eine Stunde auf der Spitze, mache Fotos mit der DSLR und Drohne und genieße die Stille. Kurz vor 24 Uhr liege ich wieder im Zelt und bin glücklich.



Tag 2 – Erste Etappe (28 km)
Um kurz vor neun ist das Zelt abgebaut und ich bin wieder unterwegs. Ich spaziere den Berg auf der anderen Seite wieder hinunter und wandere dann im Tal entlang. Und wieder höre ich etwas bellen, aber jetzt weiß ich, woher das Geräusch kommt. Die Route verläuft teilweise durch kniehohes Gesträuch. In regelmäßigen Abständen muss ich kleine Bäche überqueren, was aber gar nicht schwierig ist. In den letzten Wochen gab es in West- und Mitteleuropa eine Hitzephase, die sich in der Wassermenge der Gebirgsgewässer deutlich bemerkbar macht. Einige Bäche sind komplett ausgetrocknet, und so nutze ich jede Gelegenheit, die sich bietet, um meinen Wasservorrat aufzufüllen. Beim Aufstieg über das nächste Plateau sehe ich in der Ferne ein Hirschrudel zu mir her schauen. In der anderen Richtung sehe ich ebenfalls einige Tiere davonstieben. Ich bin glücklich: Ich finde karnivore Pflanzen (fleischfressende Pflanzen) und das Wetter ist sonnig und warm.
Beim weiterlaufen entdecke ich sogar ein abgeworfenes, gut erhaltenes Hirschgeweih. Ich binde es an meinem Rucksack fest und nehme es mit (in Schottland ist das legal, anders als in Deutschland!). Nach wenigen weiteren Kilometern erreiche ich die kleine Siedlung Kinlochhourn und laufe von dort aus weiter in Richtung Barrisdale, immer am Ufer des Loch Hourn entlang. Dort ist die Landschaft nicht mehr begrast und sumpfig, sondern bewachsen mit brusthohen Farnen und über menschenhohen Rhododendronsträuchern.
Die Temperatur steigt, und in Seenähe wird die Luft zusätzlich schwül. Es ist kaum ein Windstoß zu spüren. Ich würde zwar gerne mein Zelt aufschlagen und den Tag beenden, aber ich finde keine ebene Fläche, die in guter Nähe zu einer Wasserquelle liegt. Daher beschließe ich nach einigen Kilometern, bis zur Barrisdale Bothy zu laufen und dort zu zelten. Das letzte Stück ist besonders spannend, weil ich an einem zerfallenden Farmhaus, einer Schafherde und einem unbeeindruckt in direkter Wegesnähe grasenden Hirschbullen vorbeikomme. Schließlich erreiche ich die Bothy. Ich baue mein Zelt auf und koche mir mein Abendessen. Und ich lerne Midges kennen: Diese kleinen Mücken tauchen in größeren Scharen auf, sodass ich mein Mückennetz aufziehen muss.
In dieser Nacht kommt die ersehnte Abkühlung in Form eines kurzen Gewitters.






Tag 3 – Zweite Etappe (14 km)
Ich starte am Morgen bei leichtem Nieselregen. Mich stört der Regen kaum, allerdings bin ich etwas beunruhigt. Meine geplante Route verläuft über den 1020 Meter hohen Ladhar Bheinn, der laut Karte ein paar steile Abbruchkanten an der Spitze aufweist und zudem einen sehr steilen Aufstieg hat. Als ich am Fuß des Berges stehe und sehe, dass die Spitze in den Wolken hängt, kehre ich um. Ich will nicht alleine einen steilen, möglicherweise rutschigen Berg in die Wolken hinein laufen, vor allem da ich von der Hitze gestern noch ein wenig erschöpft bin. Und damit habe ich fünf Kilometer zurückgelegt und bin wieder am Startpunkt angekommen.
Ich muss aber noch nach Inverie. Daher laufe ich den Hauptweg von Barrisdale in Richtung Inverie am Loch an Dubh-lochain vorbei (wunderschöner See, gut geeignet zum Übernachten!) – und damit bin ich endlich auf Knoydart angekommen. Dieser direkte Weg ist nur 14 Kilometer lang. Während des Weges klart das Wetter wieder auf. Der Wanderung heute ist entspannt – ich bin überwiegend bergab unterwegs und passiere dabei schottische Hochlandrinder und grüne Wiesen. Nachmittags erreiche ich das Lord Brocket-Denkmal kurz vor dem kleinen Küstendorf, wo ich ein paar Drohnenaufnahmen mache, und erreiche schließlich den Zeltplatz bei Inverie. Hier werde ich nun zwei Nächte auf dem örtlichen Zeltplatz übernachten, der eigentlich nur aus einer kleinen Wiese direkt am Meer besteht.



Tag 4 – Sonderetappe (24 km)
Mit der Umgehung der Bergspitze gestern morgen habe ich mir ein ganzes Stück Weg erspart, das ich eigentlich noch laufen wollte. Das hole ich heute nach. Ich räume meinen Rucksack aus und nehme nur die Dinge mit, die ich brauche: Regenkleidung und Verpflegung. Dann starte ich in Richtung Norden ins Innere der Wildnis. Nachdem ich bei gutem Wetter durch ein kleines Waldstück gelaufen bin, überquere ich einen kleinen Fluss und steige mehrere Kilometer leicht auf. Dabei muss ich mehrfach eingezäunte Wiesenabschnitte passieren – irgendwie nimmt das etwas vom Reiz der so angepriesenen “letzten Wildnis”. Trotzdem genieße ich die Strecke sehr und erreiche nach kurzer Zeit den höchsten Punkt der heutigen Runde: den Beinn na Caillich mit 785 Metern Höhe. Von dort hat man eine hervorragende Aussicht auf die umliegenden Berge (u.a. den Ladhar Bheinn, auf dessen Flanke ich zwei kleine Wanderer erkennen kann) und die Meerbucht. Ich mache hier Mittagspause und beginne dann wieder mit dem Abstieg. Nach nur wenigen Metern schrecke ich dabei ein Schaf auf, das bei einem auf dem Boden liegenden bewegungslosen Fellknäuel steht und bei meinem Anblick wegläuft. Beim Näherkommen sehe ich, dass das Etwas auf dem Boden ein verendetes Lamm ist. In der Ferne sehe ich andere Schafe mit ihren lebendigen Lämmern grasen. Die Bedrücktheit über den traurigen Fund hält nicht lange an, denn ich entdecke beim weiterlaufen weiteres Rotwild und noch mehr Schafe, die mich ebenfalls sehr spät bemerken und den Berg annähernd senkrecht hinunter flüchten. Ich brauche für dieselbe Strecke eine halbe Stunde…
Bald bin ich wieder auf dem Hauptweg, der den Einsiedlerhof Inverguseran mit Inverie verbindet, und laufe ihn zurück nach hause. Am Abend komme ich wieder, wie gestern, in den Genuss eines faszinierenden Sonnenuntergangs. Die Midges werden heute so schlimm, dass ich die äußere Zeltplane nicht mehr schließe, weil das bedeuten würde, das Mückennetz des Innenzeltes zu öffnen (in kurzer Zeit kommt sonst eine gefühlte Armada an Mücken herein, die sich in rasendem Blutdurst an armen Wanderern sättigt).



Tag 5 – Dritte Etappe (14 km)
Ich breche wieder auf. Das gesamte Gepäck ist wieder in meinem Wanderrucksack, und ich laufe einen Teil der zweiten Etappe zurück, um dann nach rechts in Richtung Osten Knoydart wieder zu verlassen. Die Temperaturen steigen auch heute wieder weit über 25°C und ich kämpfe mich in der prallen Sonne den Bergsattel nach oben. Auf der Spitze verspeise ich ein paar Snacks (Nüsse) und steige dann sehr schnell zwei Kilometer wieder ab zum Carnach River, an dem ich ein altes zerfallenes Bauernhaus finde, von dem ich einige Drohnenaufnahmen mache. Weiter geht es durch eine große, normalerweise sumpfige Fläche – die Hitze hat sie größtenteils trockengelegt. Auch dort fallen mir drei Stück Rotwild auf. Die Tiere grasen auf einer kleinen bewachsenen Insel und scheinen sich durch meine Anwesenheit nicht gestört zu fühlen, wenngleich sie mich bemerken. Ich laufe weiter und halte mich nah an der Wasserlinie, bis ich zur Sourlies Boothie komme. Da ich auf der Karte gesehen habe, dass weiter östlich auf dem Bergrücken einige Seen sind, an denen ich zelten will, laufe ich an der Hütte vorbei und grüße vier Wanderer, die gemütlich vor der Hütte sitzen. Ich ahne zu dem Zeitpunkt nicht, dass ich sie sehr bald besser kennen lernen werde…
Nach ziemlich genau einem Kilometer höre ich von der Richtung, in die ich unterwegs bin, ein Donnergrollen, kurz danach beginnt es in riesigen Tropfen zu regnen. Ich ziehe schnell meine Regenkleidung an und überlege, was ich jetzt tun soll. Wo kommt das Gewitter her? Kann ich weiterlaufen oder wäre das zu gefährlich? Der Himmel zumindest zieht jetzt schnell zu und wird dunkelgrau. Na gut, denke ich, dann kehre ich um und warte in der Boothie das Gewitter ab. Also wandere ich zurück und treffe in der Hütte auf die vier Wanderer und ein junges Paar. Wir warten in der Hütte kollektiv das Gewitter ab und unterhalten uns. Nach einer knappen Stunde höre ich den letzten Donner und warte dann eine Viertelstunde, bevor ich wieder in meine Richtung aufbreche. Der Himmel ist wieder heller; zwar nicht wolkenlos, aber nur noch dünn bewölkt. Mittlerweile stürzen an den umliegenden Bergen wieder ganz neue Wasserfälle in die Tiefe. Nach zwei Kilometern setzt der Regen wieder ein, und mit rasender Geschwindigkeit kommen schwarze Gewitterwolken zurück. Nun stehe ich fast in den Wolken und bin am zweifeln, was ich hier oben eigentlich tue. Habe ich die Wetterlage so falsch eingeschätzt oder habe ich einfach Pech? Ich hocke neben einem niedrigen Hügel auf dem Boden, Rucksack neben mir, Beine aneinander und beobachte das Wetter um mich herum, als ein Blitz ganz in der Nähe einschlägt. Ich will gerade anfangen, die Donnerzeit zu zählen und komme nicht einmal bis 1. Der Blitz muss weniger als 100 Meter entfernt gewesen sein. Mir reicht das als Entscheidungshilfe und ich renne (!) mit meinem Gepäck den Berg wieder herunter, zurück zur Boothie. Dort koche ich mein Essen und entschließe, heute definitiv nicht weiter zu laufen. Nach zwei Stunden hört der Regen final auf und ich zelte neben der Boothie. Was für ein Tag!


Tag 6 – Schlussetappe (31 km)
Am nächsten Morgen stehe ich im Sonnenschein auf. Der Bergsattel liegt im schönsten Morgenlicht; wüsste ich nicht, dass ich gestern dort oben in sehr gefährlichem Wetter unterwegs war, ich würde mir nicht vorstellen können, dass dieses Gebiet unangenehm sein kann. Während ich noch meine Sachen zum trocknen lege, kommt die Frau von dem Pärchen vorbei, die ebenfalls in der Nähe gezeltet haben, und erzählt mir, dass da eben ein Hirsch neben meinem Zelt stand. Ob ich ihn gesehen hätte. Ich habe ihn nicht gesehen.
Als ich alles gepackt habe, starte ich wieder los. Heute möchte ich meinen Zielbahnhof erreichen, um wieder nach hause zu fahren. Der letzte Zug fährt in Glenfinnan um 19.04 Uhr ab, aber ich muss dafür knapp 30 Kilometer laufen und zwei lange Steigungen überwinden. Also los. Der dritte Anlauf, diesen Bergsattel zu besteigen, ist diesmal erfolgreich. Oben angekommen stelle ich fest, dass das normalerweise hohe Schilfgras platt in den Boden gedrückt ist. Der Sturm muss hier am Vorabend massiv getobt haben, und ich bin froh, dass ich im Tal geblieben bin. Oben angekommen reicht die Zeit für ein paar Drohnenaufnahmen. Hier finde ich wieder einmal einen der kleinen Regenpfeifer, der mich anscheinend von einem Nest wegzulocken versucht. Es klappt, denn er läuft mir auf meinem Weg voraus. Ich laufe durch eine hügelige, teilweise sumpfige Landschaft, bis ich ein sehr bewaldetes Gebiet erreiche. Auch hier kann ich es mir nicht nehmen lassen, Luftbildaufnahmen zu machen. Ich passiere kurz danach die A’Chuil Boothie und kann dann ganze fünf Kilometer ebene, schattige Waldstrecke genießen. Hier kann ich richtig Gas geben und viel Strecke machen. Am Waldende kommt ein neuer Aufstieg, der sich über viereinhalb Kilometer zieht und in der prallen Sonne verläuft. Es ist so warm, dass das Rotwild, das ich hier treffe, nicht einmal versucht, wegzurennen. Wir stehen in 10 Meter Distanz, betrachten einander, dann laufe ich weiter den Berg hinauf. Oben angekommen, gönne ich mir ein wenig Trockenobst, bevor ich wieder sehr zügig weiterlaufe. Es ist nicht mehr viel Zeit, nur noch 90 Minuten für 10 Kilometer. Glücklicherweise geht es ab hier nur noch bergab, aber ich bin ziemlich erschöpft von der Hitze. Aber letztlich schaffe ich die Strecke rechtzeitig. Ich kann mir sogar noch Zeit nehmen, mir die berühmte Brücke in Glenfinnan anzusehen, während eine Dampflok darüber donnert. Und habe sogar zehn Minuten Zeit, um am Bahnhof zu entspannen. Der Zug fährt pünktlich in Richtung Fort William ab, wo ich von zwei freundlichen Wanderern, die ich in Inverie schon getroffen habe, zum Zeltplatz gefahren werde. Meine Reise in Schottland ist somit beendet. Der letzte Tag war anstrengend, aber ein würdiger Abschluss für eine unfassbar schöne, aber irgendwie zu warme Schottland-Wanderung.






Tourinformationen für Interessenten
Falls du jetzt auch Lust hast, diese oder eine ähnliche Wanderung zu unternehmen, habe ich hier möglichst kurz und knapp ein paar Hintergrundinformationen zu meiner Tour zusammengefasst (Begriffe alphabetisch sortiert). Die Tour kann als gpx-Track heruntergeladen werden.
Anfahrt: Nach Schottland bin ich, wie auf den bisherigen Reisen, mit dem Zug gefahren (Interrail). Der Einstieg in die Wanderung war möglich mit der Buslinie 916, die von Kyle of Lochalsh (per Zug erreichbar) nach Osten ins Landesinnere fährt. Mein Ausstiegspunkt war Ault na Chruinn. Das Ende der Wanderung war in Glenfinnan, wo täglich mehrere Züge in Richtung Mallaig und Fort William fahren.
Möchte man Inverie als Start- oder Endpunkt wählen, kann man die Fähre zwischen Mallaig und Inverie zum übersetzen nutzen. Informationen dazu gibt es auf der Website der Fährgesellschaft.
Drohne: Knoydart und einige Bereiche darumherum liegen in einer Flugbeschränkungszone (siehe NATS-Flugbeschränkungszonen). Hier darf nicht geflogen werden, wenn die Beschränkung aktiviert ist. Ob im jeweiligen Zeitraum eine akute Flugbeschränkung vorliegt, kann man auf dem NOTAM nachsehen. Zudem muss eine Operators-ID gekauft werden. Ich bin, da im Zeitraum meiner Wanderung keine NOTAM-Flugwarnungen ausgegeben wurden, mit der DJI Mini 2 geflogen und hatte die entsprechende ID erworben.
Bitte informieren Sie sich auf den entsprechenden Websites selbstständig. Einen guten Überblick bietet die Civil Aviation Authority (CAA) auf ihrer Website https://www.caa.co.uk/drones/.
Einsamkeit: Ich traf unterwegs regelmäßig andere Wanderer, jedoch nie mehr als eine Handvoll pro Tag. Die Region ist definitiv nicht überlaufen, aber scheint zumindest in Schottland und England sehr bekannt zu sein. Neben menschlichen Passanten gibt es, wie aus dem Bericht oben sicherlich deutlich hervorging, eine ganze Menge Rotwild und Schafe.
Mücken: Aufgrund der vielen großen und kleinen Wasserbecken und Sumpfgebietegibt es erwartungsgemäß auch viele Midges. Diese können eine wirkliche Plage darstellen. Die kleinen, nur wenige Millimeter großen Stechinsekten treten zwischen Ende April und September in Scharen auf. Manche Schotten, die ich getroffen habe, kannten irgendwelche Naturharze, die die Mücken abhalten. Ich hatte als Schutzmaßnahme nur ein Kopfnetz und langärmelige Kleidung an, was überwiegend geholfen hat. Man sollte sich aber definitiv auf die Tiere vorbereiten!
Schwierigkeit: Anspruchsvoll bis Herausfordernd (Hügelige Streckenabschnitte mit starker Steigung oder sehr schlechter Markierung, Trittsicherheit erforderlich).
Unterkunft: In Schottland gilt der Outdoor Access Code. Es ist also erlaubt, in der Natur zu übernachten, solange man keine Spuren hinterlässt. Fremde Grundstücke und Gärten sind selbstverständlich zu meiden oder nur nach Rücksprache mit dem Besitzer zu benutzen. Entlang der Route gibt es aber auch mehrere kleine Hütten (Boothies), die Schutz vor Wind und Wetter bieten können.
Wasser und Verpflegung: Es fließen überall kleine Bäche. Aufgrund der hohen Wild- und Schafvorkommen empfehle ich aber, das Wasser zu filtern, dann sollte man es definitiv trinken können. Zudem hatte ich Essen für sechs Tage mit. Nach meiner Kenntnis gibt es in Inverie keinen Einkaufsladen, dafür aber den abgelegensten Pub (der während meiner Wanderung zu hatte). Daher sollte man nicht davon ausgehen, dort einkaufen zu können.
Wegbeschaffenheit: Die Strecke ist Teil des Fernwanderweges Cape-Wrath-Trail und nicht markiert. Auf einigen Abschnitten läuft man auf Feldwegen, die gut sichtbar sind, auf anderen muss man gute Kartenkenntnisse oder ein funktionierendes GPS-Gerät an der Hand haben, um die Richtung beibehalten zu können.
Wetter: Knoydart liegt an der Westküste Schottlands. Zwei Gründe, warum man sich auf viel Regen und Nebel einstellen sollte (auch wenn das in meinem Fall nicht funktioniert hat). Vor allem in den höheren Lagen ist mit wechselhaftem Bergwetter zu rechnen.
Anmerkungen
Die Tour ist ein Teil des von Nord nach Süd verlaufenden Cape-Wrath-Trails (CWT). Dabei handelt es sich um einen unmarkierten Wanderweg an der gesamten Westküste Schottlands entlang. Entsprechend kann die Tour beliebig nach Norden oder Süden verlängert werden.
Vorsicht bei der Einreise mit dem Eurostar: Taschen und Rucksäcke werden ähnlich wie am Flughafen gescannt. Messer mit Klingenlängen über 3 inches (7.6 cm) und/oder feststellbarer Klinge sind in UK nicht gestattet und können konfisziert werden (leider selbst erlebt). Außerdem ist es verboten, Gaskartuschen mitzunehmen (für alle relevant, die mit Gaskocher kochen). Meinen Spiritus für den Trangiakocher habe ich dagegen problemlos mitnehmen können.