Teneriffa — Vier-Tages-Tour durch den Teide-Nationalpark
Teneriffa — Vier-Tages-Tour durch den Teide-Nationalpark

Teneriffa — Vier-Tages-Tour durch den Teide-Nationalpark

Der Teide-Nationalpark auf der kanarischen Insel Teneriffa birgt Spaniens höchste Erhebung (den inaktiven Vulkan Pico Teide) und eine ganze Hochebene darum herum. Da ich noch nie auf einem Vulkan, geschweige denn auf Höhen über 2200 Metern war, und sich zudem ganz ausgezeichnete Sonnenauf- und -untergänge von den Bergen aus beobachten lassen, wollte ich unbedingt auf die Spitze des Teide steigen und mir bei der Gelegenheit gleich den gesamten Nationalpark ansehen. Hier der Bericht und einige weiterführende Informationen für Interessenten.

Die folgende Tour (61 Kilometer, 3900 Höhenmeter) legte ich solo in vier Tagen zurück. Man kann sie sicherlich (mit weniger Gepäck) auch in kürzerer Zeit entspannt durchwandern. Die Route ist als .gpx-Track herunterladbar.

Tourbericht

Tag 1 — Der Einstiegs-Aufstieg (ca. 13 km, 1000 hm)

Die Anreise zu meinem Startpunkt ist mit den Bussen relativ entspannt (siehe dazu mehr am Ende der Seite). Ich starte meine Route gegen 15.00 Uhr in Vilaflor, einem pittoresken Dorf im Waldgürtel der Insel, der sich einmal rings um das Teide-Hochplateau zieht. Die Route zum Montaña Guajara ist bereits an der Straße ausgeschildert, und von hier an bis zum Gipfel brauche ich tatsächlich fast keine Karte mehr. Ich folge der gelb-weißen Markierung und steige schnell in einen Kiefernwald auf, der sich vor allem dadurch auszeichnet, dass es überwiegend nur ebendiese Kiefern und wenig Unterholz gibt. Am Wegrand finden sich hin und wieder kleine Büsche oder Blumen, und mit Freuden stelle ich fest, dass Mai offenbar noch Blütezeit ist. Es geht langsam aber stetig bergauf, meist auf steinigen oder geschotterten Wegen, fast immer auf akkurat mit Felsen abgegrenzten Trails. An einer Kreuzung kann ich mich entscheiden, ob ich nach links am Hang entlang laufe oder direkt den Berg hoch. Beide führen zum Guajara, beide sind gleich lang. Ich entscheide mich für die Route über die Paisaje Lunar, weil ich neugierig bin, was das ist. Es stellt sich heraus, dass es große, rundgeschliffene Säulen aus Vulkangestein sind, die sich im Laufe der Jahre vom Untergrund herauserodiert haben. Der Nebel, der inzwischen aufgezogen ist, lässt die gesamte Szenerie wie eine Momentaufnahme aus dem Film Avatar erscheinen, und ich nehme mir ein bisschen Zeit, mir diese Formationen anzuschauen. Dann muss ich weiter, wenn ich noch rechtzeitig zur Spitze möchte. Nach wenigen Minuten erreiche ich die Baumgrenze und betrete kahle Hügel aus schwarzem Sand. Außer dem Sand und der grauen Nebelwolke um mich herum sehe ich nicht viel, und so stapfe ich eine halbe Stunde mit zunehmender Enttäuschung über die fehlende Aussicht meinem Ziel entgegen. Dann hört der Hügel mit dem schwarzen Sand auf, und anscheinend gehören Sand und Nebel zusammen, denn auch der Nebel lichtet sich. Mit dem Beginn des Aufstiegs entlang der sandsteinfarbenen, von niedrigen sukkulenten Pflanzen bewachsenen Bergflanke steigt auch meine Laune wieder. Es sieht ein bisschen aus, wie ich mir den Wilden Westen immer vorgestellt habe — viel Sand, viele Steine und steile Felsen, nur wenige zähe Pflanzen und blauer Himmel. So langsam nähere ich mich einer Höhe von 2500 Metern an, und das macht sich zum Beispiel durch stetig erhöhten Puls bemerkbar (zum Umgang mit Höhen, siehe Absatz weiter unten). Ich mache immer öfters Pause, versuche viel zu trinken und laufe langsamer als vorher. Es zieht sich, aber die Aussicht ist grandios und entschädigt jede Anstrengung.
Gegen 20.00 Uhr erreiche ich den höchsten Punkt der heutigen Tour, den Gipfel des Montaña Guajara (2718 m). Dort stehen noch die Überreste des alten Observatoriums, das um 1860 herum errichtet wurde und für die Entwicklung und Standortsuche weiterer astronomischer Einrichtungen wichtig war. Ich baue mein Biwak im Windschatten der alten Mauern auf und schaue mir im Anschluss den Sonnenuntergang an. Vor mir erhebt sich monumental der Pico del Teide mit seinem Nebenvulkan, dem Pico Viejo. Ich bin allein auf dem Gipfel, außer mir übernachtet hier niemand. Die Nacht ist sternenklar und kühl, und abgesehen von wenigen besonders tiefen Atemzügen bemerke ich von der Höhe nicht viel.

Tag 2 — Akklimatisierung (20 km, kaum hm)

Als ich am Morgen aufwache, ist die Sonne schon aufgegangen. Ich frühstücke schnell, dann räume ich alles ein und beginne mit dem Abstieg. Die heutige Route habe ich, um mich nach dem anstrengenden Aufstieg des Vortags etwas zu entspannen (und weil aufgrund der in den folgenden Tagen stattfindenden Mufflonjagden im Gebiet meine Routenauswahl stark beschränkt ist), entlang des Teide-Tals gewählt. Zunächst laufe ich zum Besucherzentrum “Cañadas del Teide”, wo ich mein Wasser auffüllen will (wird mir zweimal verweigert und einmal abgeraten davon, ungefiltert Wasser zu trinken), dann laufe ich ohne neues Wasser den breit ausgebauten Camino Natural de Anaga-Chasna in Richtung El Portillo. Die Landschaft sieht insgesamt sehr gleichförmig aus, wechselt sich aber in der Gleichförmigkeit stark ab: Hellbraune felsige Felder mit wenig Pflanzenbewuchs werden abgelöst von hoch aufgetürmten dunklen, schroffen Felsen, zwischen denen niedrige Bäumchen wachsen, dann folgt wieder eine große Fläche mit hellgrauem Kies. Es ist faszinierend, wie akkurat getrennt einige von den Felsbrockenablagerungen nebeneinander liegen – man könnte fast meinen, sie wären, ähnlich einer Kiesgrube, absichtlich aufgeschüttet worden. Unterwegs entdecke ich ein Mufflon und jede Menge Eidechsen. Die gibt es hier zuhauf.
Am Besucherzentrum angekommen, fülle ich mein Wasser auf, wasche mich am Waschbecken und überlege, wie ich nun weiter verfahre. Am nächsten Tag ist auf der gesamten Hochebene Mufflonjagd, weshalb ich also keine Wanderungen machen kann. Ich will daher auch nicht hier oben übernachten, weil ich dann möglicherweise entdeckt werde, bevor ich abgebaut habe, und das hätte einige Unannehmlichkeiten zur Folge. Daher fahre ich mit dem Bus einige Stationen in Richtung Puerto de la Cruz, um dort auf einem der vielen kostenlosen Zeltplätze auf Teneriffa zu übernachten. Bevor es dunkel wird, habe ich von hier noch eine schöne Aussicht auf die nebligen Wälder der Nordseite.

Tag 3 — Der Aufstieg beginnt (12 km, 800 hm)

Mit dem ersten Bus des Tages fahre ich wieder zum Besucherzentrum. Ich hatte überlegt, direkt vom Zeltplatz aus dorthin zu laufen, aber es gibt keine Wanderwege und ich müsste entlang der Straße wandern. Das ist keine gute Idee.
Um die Zeit bis zum Ende der Jagd (17.00 Uhr) nicht völlig tatenlos herumzusitzen, besuche ich als erstes die Ausstellung des Besucherzentrums, danach den liebevoll angelegten botanischen Garten und dann laufe ich eine kleine Runde um den außerhalb des Nationalparkgebiets liegenden Vulkankegel des Guamasa. Die Wolken drängen vom Meer so hoch herauf, dass ich leider in Richtung Norden nichts sehe. Aber dafür stehen die Pflanzen auf dem Berg in voller Blüte, und weil die Vegetation auf der westlichen Seite völlig anders ist als östlich, sieht das alles sogar sehr abwechslungsreich aus. Und dann… muss ich warten. Ich wandere zurück zum Besucherzentrum, fülle meine Flaschen zur Sicherheit nochmal randvoll auf, frage zur Sicherheit nach den Regularien und Wegempfehlungen und stelle fest, dass ich alles schon wusste, dann ist es endlich Abend und ich kann starten.
Der Weg ist sehr abwechslungsreich und ziemlich schön. Die Umgebung zeichnet sich vor allem durch rot-orange Felsen aus, die vereinzelt in der flachen Landschaft herumstehen und einen farblichen Kontrast zu den vielen Sträuchern bilden, die hier wachsen. Die Steigung ist anfangs kaum merklich, bis ich am Fuße des Montaña Blanca stehe steil aufsteigen muss. Der Berg besteht aus einer gigantischen Menge Kies und ist, der Name verrät es, sehr hell. Der Wanderpfad stößt sehr bald auf eine breite Straße, die sich in Serpentinen nach oben schlängelt. Ausgetretene Spuren am Wegrand deuten darauf hin, dass viele Wanderer den direkten Weg bevorzugen und querfeldein senkrecht zur Straße laufen. Einige Hinweisschilder bitten darum, es nicht zu tun, um das bisschen empfindliche Vegetation, das hier existiert, nicht zu zerstören. Am Ende des Pfades erreiche ich eine kleine Ebene, die sich linksseitig an den Teide anschließt. Direkt vor dem Anstieg zum Teide-Gipfel, den ich morgen Nacht laufen werde, steht ein weißer Pickup-Truck der Parkranger. Sie steigen aus, als sie mich sehen, und ich muss meine Weges- und Gipfelaufstiegsgenehmigung sowie meinen Pass vorweisen und werde die Liste an notwendigen Ausrüstungsgegenständen abgefragt, die für einen Nachtaufstieg verpflichtend sind (siehe Beitrag unten). Während ich noch abgecheckt werde, erreichen zwei Wanderer von oben kommend die Stelle. Sie werden ebenfalls gebeten, ihre Permits zu zeigen, geben aber zu, dass sie keine dabei haben. Ich bekomme noch mit, dass sie ihre Pässe präsentieren müssen — ob und wie viel Strafe sie zahlen, erfahre ich nicht, weil ich fertig bin und nicht als Zuschauer dabei stehen will. Stattdessen baue ich mein Biwak auf, laufe vor zum Gipfel des Montaña Blanca und genieße die Aussicht auf den Südrand des Nationalparks. Den Sonnenuntergang kann ich von hier aus leider nicht beobachten, denn die ich befinde mich exakt auf der anderen Seite des Berges. Nach einer kleinen Mahlzeit gehe ich früh schlafen. In der kommenden Nacht werde ich sehr früh aufbrechen…

Tag 4 — Sonnenaufgang am Teide und Abstieg (17 km, 1500 hm)

Es ist 02.15 Uhr. Ich schalte meine Kamera an, um aufzuräumen, und sehe eine Maus, die sich am Fußende meines Biwaksacks zu schaffen macht. Sie mag mein Taschenlampenlicht nicht und flitzt schnell davon. Um 02.40 Uhr bin aufbruchbereit und starte meine Route. Es ist kühl, aber nicht wirklich windig. Ich sehe schon einige einzelne Taschenlampen an der Seite des Berges flackern und beobachte beim weiteren Aufstieg auch, dass der Pickup-Truck der Parkranger etwas weiter unten am Weg mit eingeschalteten Scheinwerfern steht. Selbst um diese Uhrzeit wird anscheinend kontrolliert!
Ich komme erstaunlich schnell voran. Die Höhe macht mir keine Probleme, aber zur Sicherheit baue ich strategische Kamera- und Snackpausen ein und trinke bewusst mehr als sonst. Trotzdem bin ich nach nicht einmal zweieinhalb Stunden an der Seilbahnstation angekommen. Es ist deutlich windiger und frischer. Um 05.00 Uhr baue ich mir meinen Biwak neben der niedrigen Steinmauer der Aussichtsplattform auf und liege eine Stunde wach in meinem warmen Schlafsack. Einige Wanderer trudeln ein, kaum jemand steigt weiter auf, vereinzelt sehe ich Lichter auf dem Teide-Kegel, die aber wieder umkehren. Gegen 06.00 Uhr bildet sich am Horizont ein leichter roter Streifen und ich packe mein Zeug zusammen, um weiter aufzusteigen. Dann stehe ich nach zwanzig Minuten Aufstieg auf der Spitze. Hin und wieder schwallt mir ein leichter Schwefeldampf entgegen, der aus dem Teide-Krater aufsteigt. Es stinkt, aber immerhin ist die Luft schön warm. Wärme kann ich an dieser windexponierten Stelle gut gebrauchen.
Ich bin an diesem Morgen der erste auf der Spitze und bleibe es für fast eine halbe Stunde. Dann erst bekomme ich Gesellschaft. Der Horizont wird heller, die Farben kräftiger, dann schiebt sich die Sonnenscheibe gegen 07.16 Uhr ganz langsam über die hellblaue Wolkendecke. Es ist wunderschön. Irgendwann drehe ich mich um und entdecke, dass der Teide seinen dreieckigen Schatten auf die sonnenabgewandte Seite wirft. Ich mache Fotos, versuche, mir diesen Anblick ins Gedächtnis zu brennen und steige nach 90 Minuten auf der Spitze wieder ab. Die Sonne steht nun schon hoch, aber es ist weiterhin ziemlich kalt. Aus diesem Grund entschließe ich mich bald, das Essen auf später zu verschieben und lieber in Bewegung zu bleiben und den Abstieg zu beginnen. Die Route verläuft zunächst als eine Art Panoramaweg auf gleicher Höhe am Berg entlang, dann geht es durch sehr schroffes und steiles Malpaís in wildem Zickzack nach unten. Die Felsen um mich herum sind fast schwarz, sehr scharfkantig und wirken allgemein nicht besonders einladend. Nur gut, dass ich nach einer Stunde das Ende dieses Trümmerfelds erreiche und auf orange-gelbem Schotter weiterlaufen kann. Mein Weg führt eigentlich den PNT-23 nach unten, aber ich bin neugierig und möchte mir den Krater des Pico Viejo anschauen. Deswegen steige ich zum Kraterrand auf und stelle fest, dass diese Caldera deutlich schöner ist als die halb abgerutschte auf dem Teide. Einen Müsliriegel später bin ich wieder auf dem Abstieg. Und der dauert wirklich lang. Fast drei Stunden laufe ich durch abwechslungsreiche Felslandschaft, sehe wieder eine Unzahl an Eidechsen und erreiche schließlich die Roques de García, eine bekannte Felsenreihe, die markant aus dem Boden hervorragt. Ich laufe die Felsen entlang und bin beeindruckt von den verschiedenen Strukturen, die man daran entdeckt. Und dann ist meine Tour plötzlich zu Ende: Ich stehe an den Cañadas del Teide. Der Bus kommt erst in wenigen Stunden, also besuche ich auch diese Ausstellung und setze mich anschließend neben einem Wanderschild auf den Boden. Es gibt ansonsten keinen Schattenplatz. Der Bus fährt planmäßig. Meine Vier-Tages-Tour durch den Teide-Nationalpark ist zu Ende.

Tourplanung

Diese Wanderung erforderte sehr ausführliche Planung, und das aus mehreren Gründen: Es gibt keine natürlichen Frischwasserquellen im Teide-Nationalpark, die große Höhe kann für manche ungeübten Bergsteiger gefährlich werden und aufgrund regelmäßiger Mufflonjagden sind einige Wege tageweise gesperrt. Zudem ist für mehrere Wandertrails eine schriftliche Erlaubnis zu beantragen. Ich kann allerdings beruhigen: Es klingt schlimmer als es ist. Die wichtigsten Infos habe ich hier zusammen getragen.

Akklimatisierung und Höhenlage

Die Spitze des Teide ist knapp über 3700 Meter hoch. Der Luftdruck ist auf dieser Höhe bereits um 40% geringer als auf Meeresniveau – ein zu schneller Aufstieg kann, je nach Person, körperliche Folgen haben. Ich halte mich zwar für einen insgesamt sehr fitten Wanderer, aber da ich keinerlei Erfahrung mit höheren Bergen als dem Snøhetta im Dovrefjell habe, wollte ich diesen Aufstieg etwas behutsamer angehen und die Grenze meiner körperlichen Belastbarkeit nicht allzu weit ausreizen. Der folgende Kasten enthält einige Dinge, die mir beim Aufstieg aufgefallen sind. Eine ausführlichere Beschreibung und Hinweise zur Höhenkrankheit findet ihr auf meinem Beitrag dazu.

Meine Tipps zum Höhenbergsteigen

Das Problem in der Höhe ist der geringere Luftdruck und der damit einhergehende verringerte Sauerstoffpartialdruck. Das bedeutet, dass man pro Atemzug weniger Sauerstoff aufnehmen kann und außerdem der Druck in der Lunge abnimmt. Durch zu starke Anstrengung kann der Blutdruck steigen, und da nun der Gegendruck in der Lunge niedriger ist, kann Flüssigkeit in die Lunge gepresst werden. Übliche Symptome sind relativ unspezifische Beschwerden wie Schwindel, Kopfschmerzen, Atemnot und Übelkeit. Im Extremfall kann das zu Lungen- oder Hirnödemen führen. Das Ziel ist also, den Körper in großen Höhenlagen so wenig zu belasten wie möglich.
Dummerweise ist wandern mit schwerem Gepäck eine große Anstrengung. Entsprechend sollte man versuchen, die Auswirkungen so gut es geht zu verringern. Für mich haben sich folgende Dinge als nützlich erwiesen:
  • Geringes Aufstiegsgewicht — ich hatte einen guten Teil meiner Lebensmittel in den Vortagen gegessen sowie beim Aufstieg eine Menge getrunken, sodass mein geschätztes Aufstiegsgepäck nur noch bei 14 kg lag
  • Trink viel beim Aufstieg!
  • Langsam und entspannt aufsteigen — Plan für den Aufstieg viel Zeit ein und lass dich nicht stressen. Mach immer wieder Pause, schau dich um und genieße die Aussicht. Trink regelmäßig oder iss einen Müsliriegel und lass dir dabei Zeit.
  • Niedrigere Gipfel austesten — Unser Körper kann sich erfreulicherweise gut an neue Umgebungen adaptieren, wenn man ihm Zeit lässt. Indem man niedrigere Gipfel vorher besteigt, kann man den Körper zur Produktion roter Blutkörperchen anregen und er ist in den folgenden Tagen besser in der Lage, mit ungewohnten Höhenlagen umzugehen.
  • Wettergeeignete und warme Ausrüstung — klingt komisch, hat aber Gründe: Wer nicht friert, belastet den Körper nicht. Bleibt warm!

Trotz allem ist verantwortungsvolles Handeln wichtig! Generell gilt, dass man nicht weiter gehen sollte, als man alleine wieder zurück kehren kann. Wenn Beschwerden auftreten oder sich verstärken, dann brich den Aufstieg zum Wohle deiner Gesundheit ab oder mach Pause! Seid verantwortungsvoll unterwegs.


Zudem ist aufgrund der dünneren Atmosphäre die UV-Strahlung der Sonne um ein vielfaches erhöht. Sonnenschutz in Form von langer und dünner Kleidung, Hut oder Cap und vor allem Sonnencreme und Sonnenbrille sind dringend angeraten.

Anfahrt

Es gibt drei Möglichkeiten, zum Startpunkt dieser Route zu gelangen. Die erste ist die vermutlich trivialste: Man läuft hin. Dazu gibt es nicht viel zu sagen.
Alternativ kann man mit dem Auto fahren. Auf Teneriffa gibt es eine Menge Autovermieter. Für weitere Informationen ist eine eigene Websuche vermutlich sinnvoll, da ich diese Anfahrtsmöglichkeit nicht gewählt habe und sich die Anforderungen vermutlich je Urlaub und Situation so sehr unterscheiden, dass ich an dieser Stelle nicht auf alles eingehen kann. Zudem sei erwähnt, dass die vorgestellte Route kein Rundweg ist — man müsste also vom Endpunkt wieder zum Auto zurückkommen.
Eine auf Teneriffa mit etwas Zeitaufwand verbundene, aber im allgemeinen gut funktionierende Fortbewegungsmöglichkeit sind die Busse. Man kommt an fast jeden Ort der Insel, der irgendwie mit einer Straße vernetzt ist, mit dem Bus. Leider fahren die Busse aber, vor allem im Nationalpark, mit mehreren Stunden Abstand, sodass man gut planen sollte, wie man hin und wieder zurück kommt. Ich fand die Buspreise in Ordnung und die Ausstattung und Sauberkeit phänomenal. Wenn man mit teilweise längeren Wartezeiten keine Probleme hat, ist das wirklich eine sehr empfehlenswerte Option. Fahrpläne und weitere Infos gibt es auf der Website TITSA.

Drohne

Ich habe meine Drohne, die mich sonst auf so vielen Reisen treu begleitet, diesmal nicht mitgenommen. Nicht dass ich nicht gewollt hätte, aber im gesamten Teide-Nationalparkgebiet ist Drohnefliegen untersagt. Generell sind die Flugzonen auf Teneriffa inzwischen sehr stark rot eingefärbt, und unter diesen Umständen wollte ich mich nicht mit unnötigem Extra-Gewicht plagen, das ich sowieso nicht auspacken würde. Wer sich selber durch den Dschungel der Regularien und Gesetze wühlen möchte, dem kann ich folgende Seiten empfehlen: ENAIRE (Flugverbotskarte), AESA (spanische Luftfahrtbehörde; evtl kann man dort Genehmigungen beantragen)

Geld und Bezahlung

Ungünstigerweise hatte ich kein Bargeld eingepackt – und es glücklicherweise nicht einmal gebraucht. Man kann alles mit der Kreditkarte zahlen: Busse, Bäckereien, Lebensmittelläden. Ich kam tatsächlich ohne Bargeld problemlos durch.
Bargeld dabei zu haben ist vermutlich aber trotzdem nicht verkehrt.

Packliste

Die besonderen Gegebenheiten des hochalpinen Routenverlaufs und die Notwendigkeit, ausreichend Wasser mitzunehmen, zwangen mich dazu, mir noch mehr Gedanken über meine Ausrüstung zu machen als bisher auf den Touren in Skandinavien. Mein Minimum an Wasservorrat waren 6 Liter, die ich bei jeder sich bietenden Gelegenheit auffüllen wollte. Zudem musste Verpflegung für vier Tage, Schlafausrüstung (Schlafsack, Isomatte, Biwaksack), (Wechsel-)Kleidung und meine Kamera Platz finden. Mein Anspruch war, maximal 14 kg Gepäck durch die Gegend zu tragen — letztlich waren es 19 Kilogramm.

Als kleiner, aber wichtiger Hinweis am Rande: Es wird von offizieller Seite darauf hingewiesen, dass bei der Besteigung des Teide eine gewisse Grundlage an lebensnotwendigen Ausrüstungsgegenständen stets mitzuführen ist. Die Parkranger behalten sich das Recht vor, Wanderer darauf zu überprüfen und sie ggf. bei Nicht-Einhaltung wieder herunterzuschicken. Ich selber wurde, als ich mich ausweisen musste, die Liste lediglich abgefragt und musste nicht nachweisen, dass ich alles hatte. Es handelt sich um folgendes Equipment: Feste Wanderstiefel, lange Hose, langes und warmes Oberteil, Wärmedecke oder Schlafsack, ausreichend Essen und Trinken, Taschenlampe mit Ersatzbatterien, geladenes Smartphone.

Routen und Trails

Im folgenden meine Wanderroute mit einigen Statistiken. Über den Button “Download” kann die Strecke als .gpx-Track heruntergeladen und dann nach belieben in einem Routenplaner der Wahl bearbeitet werden.


Alle Wanderwege im Teide-Nationalpark sind kostenlos nutzbar, allerdings muss man manche Streckenabschnitte reservieren (z.B. den Aufstieg von der Seilbahnstation La Rambleta zur Spitze des Teide). Wird man ohne Reservierung erwischt, kann das schnell mehrere hundert Euro kosten – und ich habe selber erlebt, dass stellenweise sehr penibel kontrolliert wird (selbst nachts um 2.00 Uhr stand beispielsweise ein Parkranger-Truck mit eingeschalteten Lichtern am Trail PNT-07). Aber keine Sorge: Die Reservierungen sind nach einem kurzen Login wirklich einfach über die folgenden beiden Websites zu bekommen.

  • Die Website tenerifeon.es bietet zahlreiche Informationen zu beliebigen Trails und Wander- sowie Fahrradgebieten. Hierüber können auch die Zeltplatz- und Wegereservierungen vorgenommen werden, mit Ausnahme der Bivakerlaubnis an verschiedenen Stellen sowie der Spitzenzugangsberechtigung des Teide (Telesforo Bravo; siehe nächster Punkt). Das Portal ist ebenso über eine App aufrufbar – mir scheint allerdings, dass diese weniger rund läuft als die Website.
  • Auf reservasparquesnacionales.es gibt es die Möglichkeit, die Gipfelaufstiegsberechtigung für den Teide (Telesforo Bravo; Aufstiegszeiten wählbar zwischen 6.00 Uhr bis 22.00 Uhr) sowie die Übernachtungsbescheinigungen für Pico Teide, Pico Viejo, Montaña Blanca und Montaña Guajara zu buchen. Vor allem der Aufstieg zum Teide ist stark beschränkt und früh ausgebucht. Wer mit mehreren Personen aufsteigen möchte, sollte sich also rechtzeitig darum kümmern (in der Regel mehrere Monate im Voraus; die Sonnenaufgangszeiten sind oft weniger ausgebucht als die Tages-Zeitfenster).
    Alle wichtigen Infos zum biwakieren sind hier außerdem sehr ausführlich beschrieben (was zählt als Biwak, wo darf man zelten, worauf muss man achten usw.).

Weiterhin finden ganzjährig Mufflonjagden im und um (den) Nationalpark statt. Das hat zur Folge, dass einige Wege tageweise gesperrt sind. Erfreulicherweise gibt die Website tenerifeon.es sehr ausführlich über die geplanten Sperrungen und sogar die trotz Jagd freigegebenen Trails Auskunft. Ich wollte aber möglichst unter keinen Umständen in die Verlegenheit kommen, in Schusslinien zu geraten, daher habe ich die Jagdgebiete in den angegebenen Zeiträumen komplett gemieden. Diese Vorsichtsmaßnahme meinerseits führte zu einer, nun ja, etwas willkürlichen Planung der Wegstrecke. Immerhin verläuft sie an den wichtigsten Punkten des Nationalparks entlang und ermöglichte mir, mich langsam an die Höhenluft zu gewöhnen.

Für Notfälle gibt es an der Gondelstation eine kleine Telefonzelle, bei der man nur den Hörer abnehmen muss und damit einen Hilferuf absetzt. Ist natürlich schön, wenn man das nicht braucht, aber es ist auch nicht schlecht zu wissen, dass man dort einfach ein SOS-Signal absetzen kann.

Übernachtungen

Im Nationalpark ist es leider streng verboten zu zelten. Dafür gibt es ein Hotel an den Cañadas del Teide (Parador de Las Cañadas del Teide) und die Möglichkeit, an bestimmten Stellen im Nationalpark mit Genehmigung zu biwakieren. Diese Stellen sind fast ausschließlich Gipfel: Montaña Guajara, Montaña Blanca, Pico Viejo, Pico del Teide. Die Reservierung ist kostenlos und sollte mit ausreichend Vorlaufzeit auf der entsprechenden Website (reservasparquesnacionales.es) gebucht werden.
Auf dem Teide selbst gibt es eine Jugendherberge (Refugio Altavista). Sie befindet sich gerade im Umbau und ist laut Aushang erst ab November 2025 wieder geöffnet. Für weitere Informationen bitte das Internet konsultieren.

Wasser und Verpflegung

Im gesamten Nationalparkgebiet des Teide gibt es keine Frischwasserquellen. Um auf einer Mehrtagestour nicht zu verdursten, ist man also auf seine gewaltige Packkraft angewiesen, die es ermöglicht, ausreichend Flüssigkeit für mehrere Tage mitzunehmen (wird sehr schnell viel zu schwer; nicht zu empfehlen) – oder man füllt in den Besucherzentren und an der Gondelstation das Wasser auf. Für letztere Option habe ich mich entschieden.

Leider hat das ganze nicht so gut geklappt wie ich mir das vorgestellt hatte. Zwar gibt es an den Cañadas del Teide sowohl ein Restaurant als auch ein Hotel, ich durfte aber in beiden Einrichtungen kein Wasser auffüllen. Das Besucherzentrum hätte mir Zugang zu den Wasserhähnen in den WCs gewährt, allerdings wurde ich gewarnt, dass ich das Wasser möglichst nur abgekocht oder gefiltert trinken sollte. Ich habe mich schließlich dazu entschieden, hier kein Wasser zu holen.
Die zweite Möglichkeit war für mich das Besucherzentrum bei El Portillo. Eine Nachfrage an der Rezeption hat ergeben, dass es dort trinkbares Wasser gibt, und aus der Erfahrung mehrerer Liter Wasser aus den Wasserhähnen kann ich bestätigen, dass es tatsächlich gefahrlos genießbar ist. Es ist zu beachten, dass die Sanitäranlagen um 16.00 Uhr geschlossen werden — wer etwas zu trinken braucht, muss also vorher dort ankommen. Kleines Add-on: Die Toilettenanlagen sind so groß, dass man sich auch sehr entspannt waschen kann. Vor allem das Behinderten-WC bietet viel Raum.

Wetter

Es ist schwierig, hier allgemeine Angaben zum Wetter im Hochgebirge zu machen. Generell gilt: Auf dem Teide kann das Wetter schnell umschlagen und es kann zu jeder Jahreszeit sehr warm und angenehm oder kalt, windig und ungemütlich werden. Auf beides sollte man vorbereitet sein.
Die besondere Beschaffenheit der Insel erlaubt trotzdem einige grobe Anhaltspunkte zum Klima auf dem Hochplateau. Meistens ist der Himmel wolkenlos (das ist exakt der Grund, warum dort die Sternwarte errichtet wurde). Ein Großteil der Wolken bleibt auf einer Höhe zwischen 1600 und 2000 Metern hängen, was man von oben als schöne Wolkendecke sieht. Der wolkenfreie Himmel sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sehr frisch ist. Zudem ist die UV-Strahlung deutlich erhöht und man sollte sich entsprechend schützen (Sonnencreme, Sonnenbrille, lange Kleidung, Hut).

Weiterführende Informationen

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