Die nördlichste aller UNIS
Die nördlichste aller UNIS

Die nördlichste aller UNIS

Na gut, der Titel stimmt nicht ganz. Ich schreibe meine Masterarbeit nicht an der nördlichsten Universität, sondern nur am nördlichsten höheren Bildungsinstitut der Welt. Der offizielle Name ist University Centre in Svalbard (UNIS). Man muss sich das so vorstellen, dass UNIS nur eine ausgelagerte Forschungseinrichtung mit integrierten Kursen ist, aber keine eigenständigen Abschlüsse austeilen darf. Das ist auch der Grund, warum ich gleichzeitig in Karlsruhe eingeschrieben sein muss und meine Abschlussarbeit, obwohl sie auf Spitzbergen angefertigt wurde, in Deutschland beendet wird.

UNIS im Dämmerlicht während der Polarnacht. Der helle beleuchtete Raum links ist die Kantine, in der wir einen Winterball veranstaltet haben. Der rechte Teil des Gebäudes beherbergt ein Museum.

Das Unigebäude ist überraschend unschön. Es ist ein etwas unförmiger, klobiger brauner Flachbau mit abgeschrägten Seitenwänden, der etwas deplatziert wirkt vor den abgerundeten Bergen auf der einen und den pittoresken kleinen Norwegerhäusern auf der anderen Seite. Das Innendesign ist dagegen wirklich sehr gemütlich und fast ausschließlich von Holzoptik geprägt. Daher macht es ziemlich Spaß, mit den 120 anderen Studenten an der Uni zu sein. Das Zentrum ist außerdem sehr gut ausgestattet: Wir haben eine große Bibliothek, zwei große Hörsäle und eine handvoll kleine Seminarräume, Computerräume, mehrere Kälte- und Chemielabore für die Biologen und Chemiker und für uns Abschlussarbeitschreiberlinge gibt es eigene Büros, in denen wir viel Unfug treiben konzentrierte Arbeit leisten. Die Kantine kann für Studentenprojekte unkompliziert und kostenlos genutzt werden – zum Beispiel für einen Winterball. Und im Nebenflügel des Gebäudes befindet sich das Svalbardmuseum, das einen sehr empfehlenswerten Einblick in die geographischen, geschichtlichen und politischen Hintergründe Svalbards bietet. Der Eintritt ist für Studenten kostenlos.
Zudem gibt es, verteilt in der gesamten Umgebung um Longyearbyen herum, eine ganze Menge Messstationen und Forschungsstützpunkte für alle möglichen Anwendungen. Ein paar davon werde ich in einem späteren Beitrag vorstellen.

Forschungsschwerpunkte sind Arktische Biologie (Ozeanographie und alles, was mit Flora und Fauna zu tun hat wie zum Beispiel Rentiere), Geologie (auf Spitzbergen liegen geologische Schichten jeder Erdepoche offen, was natürlich großartige Hinweise auf die Kontinentalverschiebung oder jüngere Erdgeschichte geben kann), Technologie (permafrost- und lawinensicheres Bauen) und Geophysik (Ozeanographie und atmosphärische Prozesse wie Polarlichter und Stratosphärenwolken sowie Meteorologie). Zudem gibt es einen Kurs namens “Arctic Nature Guide”, der Tourguides für die Arktis ausbildet.
Die Forschung ist, seit im letzten Juni das letzte Kohlebergwerk im Ort geschlossen wurde, eine von zwei Hauptwirtschaftsfaktoren in Longyearbyen. Der zweite ist, wenig verwunderlich, die Tourismusbranche.

Alle Studenten, die Kurse belegen, haben das Recht, im Studentenwohnheim in Longyearbyen zu wohnen. Die Wohnungen sind recht hochwertig, da die beiden Häuser erst 2021 fertig gestellt werden, und liegen drei Gehminuten von UNIS und eine Minute vom Lebensmittelladen entfernt. Üblicherweise gibt es für jede Person ein Einzelzimmer mit Bad, und neun Zimmer teilen sich gemeinsam eine große Küche mit angeschlossenem Gemeinschaftsraum.

Bewerbung und Vorgehen, um bei UNIS zu studieren

Den ersten Teil meiner Masterarbeit in Geophysik habe ich im ersten Semester (Winter 2025) über Erasmus gestemmt. Da, wie oben schon erwähnt, UNIS keine eigene Universität ist, kann man sich nicht direkt dort bewerben, sondern muss sich entweder in Oslo oder Tromsø als Austauschstudent bewerben und dann dort mitteilen, dass man auf Spitzbergen Kurse belegen will. Da die genauen Bedingungen, Bewerbungsfristen und Austauschuniversitäten sehr stark vom Institut abhängen, bitte ich an dieser Stelle, mit dem Auslandsbeauftragten des eigenen Departments in Kontakt zu treten.

Das zweite Semester (Frühling 2026) bin ich als Gaststudent in UNIS eingeschrieben. Das funktioniert auch ohne Erasmus, allerdings muss man nach wie vor an der Heimatuniversität eingeschrieben sein. Für den Gaststudentenvertrag benötigt man alle möglichen Unterschriften, die ich aber zumindest an meiner Heimatuniversität recht zügig bekommen habe.

Die Bürokratie auf Spitzbergen habe ich als deutlich weniger umfangreich als die von deutscher Seite erlebt. Alle Ansprechpartner sind schnell und einfach erreichbar und sehr nett.

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